bg1
bg3
Logo Logo
Semmis Tagebuch Kontakt Impressum Tel.: 0175-154 75 05
Was zuletzt geschah

29.06.2016 - Von "bösen" Kötern und Grenz­über­schreitung.

16.05.2016 - Keine Zeit zu kacken.

23.04.2016 - Ich trau mich...zu schwimmen!

15.03.2016 - Gruppen­kuscheln mit der Semmel­nase.

27.02.2016 - Socken machen Semmis schläfrig.

14.01.2016 - Wie alles begann.

Nico Bussi

Von "bösen" Kötern und Grenz­über­schreitung

Gestern fragte mich eine Welpen­besitzerin, wie sie denn ihren Welpen vor ständigem Anfassen von völlig Fremden schützen könnte. Sie erzählte davon, wie alle ihren Hund, einen braunen Ladrador, süß fänden, selbst wenn er die Fremden ansprang und ihnen gar ins Gesicht schleckte, wie dauernd jemand versuchte, durch Schnalzen oder "Küsschen geben" ihren Hund auf sich auf­merk­sam zu machen, wie jemand ihren schlafenden (!) Hund einfach anfasste und Kinder von ihren Eltern einfach zum Streicheln ihres Hundes los­ge­schickt werden. Nun könnte ich gleich einen ganzen Roman über die von den Fremden begangenen Fehler schreiben, aber ich versuche mich kurz­zu­fassen.
Ein paar Fragen machen die Fehler vielleicht deut­lich:

Nein? Dann reißen Sie sich auch bei Hunden zusammen! Fragen Sie den Besitzer, ob anfassen ok ist und unter­lassen Sie jegliche Kommen­tare, wenn es das nicht ist. Einfach hin­zu­gehen und los­zu­streicheln, ist eine schwer­wiegende Grenz­über­schreitung des per­sön­lichen Raums, den nur wenige Hunde oder Menschen toll finden.
Liebe (Neu-)Hunde­be­sitzer: legt Euch ein dickes Fell zu und schützt Eure Hunde - der eine braucht es mehr, der andere weniger.

Jetzt kommt der Teil, der mir nicht in den Kopf will: In den Medien, auf der Straße, beim Spazieren­gehen etc. hört man soviel nega­tives über "uner­zogene Köter", die "alles vollsch..." und auch noch "jeden an­springen". Gleich­zeitig höre ich von jedem Welpen­be­sitzer und fast jedem Besitzer eines aus­ge­wachsenen, nicht über­wiegend-schwarzen Hundes davon, wie häufig sie ihren Hund vor Grenz­über­schreitungen Fremder schützen müssen und wie sie meist ver­zwei­felt versuchen, ihrem Hund bei­zu­bringen, nicht zu jedem hin­zu­laufen und ihn zu begrüßen. Merken Sie was? Wie sollen die Hunde das lernen, wenn sie ständig und überall zum Her­kommen animiert werden? Wie sollen die Besitzer hart bleiben und viele Kontakte ver­weigern, wenn Sie sich dann dumme Sprüche anhören müssen? Nicht nur einmal am Tag, nicht nur einmal pro Spazier­gang, nicht nur an manchen Tagen. Besonders beliebt als Antwort auf nicht erlaubte Hunde­kontakte ist übrigens der Spruch "Beißt er/Ist er bissig?". Was für ein Umkehr­schluss! Wenn ich (gerade) nicht von Fremden geherzt werden will oder soll, macht mich das zum Schläger?
Beispiel gefällig? Ich sitze mit Semmi auf der Terrasse eines Restaurants, Semmi direkt neben meinem Stuhl am einen Tisch­ende, am Neben­tisch des anderen Endes ein etwa 2,5-jähriges Kind. Die Eltern lassen es, ohne weiter darauf achtzugeben, über die gesamte Terrasse laufen. Da ich einen Hund dabei habe, habe ich konstant die nähere Umge­bung im Blick. Das Kind läuft mehr­mals an Semmi vorbei, ohne ihn zu be­mer­ken, Semmi interessiert sich nicht die Bohne für das Kind. Dann plötz­lich bemerkt es Semmi und will ihn an­fassen. Ich halte das Kind zurück und sage ihm, es müsse immer erst die Mama fragen, ob es einen Hund anfassen darf. Mittler­weile ist die Mutter beim Kind, hebt es weg und sagt ihm, der Hund wäre böse und danach laut "da muss man jetzt schon auf Hunde auf­passen, das Aller­letzte".
Noch eins? Ich bin mit Semmi auf dem Wochen­markt. Er steht direkt zwischen mir und einem Stand, so habe ich ihn bestens im Blick. Ein 4-jähriges Mädchen steht mit seinen Eltern am gleichen Stand ein paar Meter entfernt. Plötz­lich will es etwas unter dem Stand hervor­holen und kriecht dabei direkt zu Semmi. Der ist interessiert und streckt die Nase in Rich­tung des Mädchens. Ich erschrecke mich darüber, dass das Mädchen urplötzlich direkt bei Semmi ist und ziehe ihn schnell weg von dem Mädchen, worauf­hin Semmi überrascht vom Ruck einen halb­herzigen Beller los­lässt. Jetzt reagieren auch die Eltern, nehmen das Mädchen auf den Arm und sagen ihm, es dürfe erst wieder runter, wenn der Hund weg ist. Der wäre nämlich gefähr­lich. Alles in einem Tonfall und mit einem Seitenblick, der eigent­lich für den bösen Hunde­besitzer und nicht das Mädchen gedacht ist.
Und dann war da noch das eine Mal, als Semmi keine 5 Minuten vorm Geschäft ange­bunden ist, als ich sehe, wie ein Fremder ihn streichelt. Und die unzähligen Male, bei denen ich Erwachsene davon abhalten muss, ohne zu fragen meinen Hund anzufassen. Und die vielen Male, in denen sie es trotzdem tun. Um mir dann zu bescheinigen, wie komisch/bissig/blöd/unverschämt mein Hund doch ist. "Was kuckt der mich denn dann an?" 3,5 Jahre mit Fritzi haben mich einiges in Sachen Fremde-fassen-einfach-Hund-an gelehrt. Und dann ist da noch die Kundin, die wegen nach­weiß­lich Nichts (!) Auf­lagen der Gemeinde bekam, u.a. solle sie sich von fremden Kindern fern­halten (der 16 Wochen alte Welpe lief in Richtung eines Kindes)...

Was lernen wir daraus? Hunde sollen niemals da sein, außer wenn es gerade passt. Sie dürfen keine Gefühls­regung zeigen, außer wenn es gerade passt. Sie sollen niemals Hoch­springen, außer wenn es gerade passt. Sie sollen niemals Bussi geben, außer wenn es gerade passt. Wenn ein Kind auf sie zuläuft, sollen sie sich in Luft auf­lösen, außer wenn es gerade passt.

Nein, ich verstehe es einfach nicht. Hunde sind keine lebenden Stoff­tiere, die man nach Belieben behandeln oder verachten kann. Die Gesell­schaft ist hier in der Ver­ant­wortung, denn Hunde sind nicht einfach nur ein Hobby Einzelner, sondern haben eine wichtige gesell­schaft­liche Aufgabe. Seit Jahr­tausenden. Auch die scheinbar arbeits­losen Hunde. Und ja, manche Besitzer erziehen ihre Hunde nicht. Ja, manche Besitzer räumen den Dreck ihrer Hunde nicht weg. Ja, manchen Besitzern ist es egal, wenn er Fremde anspringt. Diese Besitzer sind nicht die Regel, sind aber die­jenigen die auf­fallen. Und etwas Freund­lich­keit und gegen­seitiger Respekt steht uns allen ganz gut. Hunde­be­sitzern und nicht minder allen anderen, die gerne Hunde streicheln und denen, die Hunde lieber mit gebührendem Abstand betrachten! Wir alle tragen Ver­ant­wortung für den respekt­vollen Umgang miteinander. Und ja, ich hatte auch schon einige wenige Erleb­nisse mit Eltern und Kindern, die richtig gut waren.

bg2 bg2 bg2 bg2
© 2013-2017, Dr. Katharina Graunke, München. Alle Rechte vorbehalten. AGB